Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

22.06.2021

WWWI: 23. Kalenderwoche 2021

Im Vergleich zum Vorkrisenniveau, einer Durchschnittswoche im Jahr 2019 als fixe Referenzperiode, hat sich die BIP-Lücke in der Kalenderwoche 23 (7. bis 13. Juni 2021) nach vorläufiger Berechnung um 0,3 Prozentpunkte verringert und damit nahezu geschlossen (–0,1%). Gegenüber der Vergleichswoche im Vorjahr ist das BIP aktuell um 11,8% höher.

Die Bestimmungsfaktoren des WWWI haben sich in der Kalenderwoche 23 im Vergleich zur Vorwoche tendenziell weiter verbessert; bemerkenswert sind die Anstiege im güterproduzierenden Bereich, und auch im Einzelhandel verbesserten sich die entsprechenden Indikatoren nach einer feiertagsbedingten Stagnation in den beiden Vorwochen wieder. Das Gesamtaggregat der Kreditkartenumsätze erhöhte sich im Vorwochenvergleich merklich; eine Abschwächung im Bereich der Beherbergung dürfte ein Ausgleich zu den hohen Zuwächsen in den beiden vorhergehenden Wochen sein, die aufgrund verlängerter Wochenenden von einem starken Anstieg touristischer Aktivitäten geprägt waren. In das insgesamt positive Bild passt auch die gestiegene Mobilität. Die Passagierankünfte am Flughafen Wien erhöhten sich weiter. Die Indikatoren im Transportbereich präsentieren am aktuellen Rand insgesamt eine stark aufwärtsgerichtete Entwicklung, insbesondere die Lkw-Fahrleistung. Vom Arbeitsmarkt kommen weiterhin positive Signale aus allen Sektoren, wie bereits in den Vorwochen stechen die Bauwirtschaft, der Verkehrssektor und öffnungsbedingt vor allem der Gastronomie und Beherbergung hervor.

Die mit den Öffnungen in der Gastwirtschaft und Hotellerie sowie dem Veranstaltungsbetrieb einsetzende deutliche Verbesserung im privaten Konsum hat sich auch in der Kalenderwoche 23 fortgesetzt. Getragen wird diese von der stärkeren Nachfrage nach Dienstleistungen – im Besondern nach Bewirtungsdienstleistungen, nochmals belebt durch die ab 10. Juni geltenden weiteren Lockerungen in der Gastronomie – und nach der feiertagsbedingten Stagnation in den Vorwochen auch wieder von einer stärkeren Güternachfrage, mit der wieder höhere Einzelhandelsumsätze einhergehen. Der Netto-BIP-Beitrag des Reiseverkehrs gegenüber der durchschnittlichen Referenzwoche 2019 bleibt weiterhin negativ und verbessert sich nur sehr langsam, jener des Warenaußenhandels hat sich im Vergleich zur Vorwoche leicht verringert, bleibt aber noch positiv.

Entstehungsseitig zeigt sich in Bezug auf die durchschnittliche Referenzwoche 2019 gegenüber der Vorwoche aufgrund der Öffnungen eine weitere Verbesserung im Bereich des Gaststätten- und Hotelgewerbes sowie bei den sonstigen Dienstleistungen. Die Öffnung begünstigt auch die Wertschöpfung im Verkehr und im Handel, da der Großhandel, der die Gastronomie und die Hotellerie beliefert, eine höhere Aktivität zeigt. In der Güterproduktion und der Bauwirtschaft setzte sich die positive Entwicklung der letzten Wochen weiter fort.

 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein Maß für die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher Basis. Er beruht auf wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Indikatoren. Der Index ist auf die Werte der Veränderungsraten des BIP gegenüber einer entsprechenden Referenzperiode skaliert.

Ab dem 6. April 2021 wird die geschätzte prozentuelle Veränderung der saisonbereinigten realen gesamtwirtschaftlichen Aktivität in einer Kalenderwoche in zwei Varianten dargestellt: Erstens wie bisher als Veränderung gegenüber der Vorjahreswoche und zweitens als Vergleich zu einem durchschnittlichen Wochenwert im Jahr 2019 (fixe Referenzperiode). Diese erweiterte Darstellung soll die Einordnung der Ergebnisse unterstützen. Ab der Kalenderwoche 11 2021, 15. bis 21 März 2021, liegen für den Vorjahresvergleich beide Vergleichswerte in der pandemiebedingten Krisenperiode.

Da der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19-Pandemie und die strikten behördlichen Restriktionen zu deren Eindämmung im Jahresverlauf 2020 in der ersten Lockdown-Periode, ab 16. März 2020, am stärksten ausfiel und folglich das Vergleichsniveau sehr niedrig ist, ist der prozentuelle Anstieg nach einem Jahr negativer Vorjahresveränderungsraten im Vorjahresvergleich außerordentlich kräftig. Die Berechnung gegenüber einer fixen Referenzperiode 2019 lässt einen Vergleich des aktuellen BIP-Niveaus mit dem Vorkrisenniveau zu.

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Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik

Dr. Christian Glocker

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© Alexander Müller
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