Erholung in der Industrie begünstigte die Wirtschaft im I. Quartal 2021: BIP +0,2%

30.04.2021

Schnellschätzung des WIFO

Gemäß der aktuellen Schnellschätzung des WIFO stieg die österreichische Wirtschaftsleistung im I. Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal um 0,2%. Die positive Entwicklung in der Industrie und im Bauwesen kompensierte die anhaltenden Rückgänge in den konsumrelevanten Dienstleistungssektoren.

Wichtige Information

Seit Ende September 2020 wird die Quartalsrechnung von Statistik Austria erstellt und publiziert. Die WIFO-Schnellschätzung baut auf diese Rechnung auf und liefert eine Schätzung für das darauffolgende Quartal. Diese umfasst das BIP sowie Komponenten in der Form von saison- und arbeitstagsbereinigten Veränderungsraten gegenüber dem Vorquartal (Kennzahl laut Eurostat-Vorgabe).

Die Daten dieser Rechnung sind eine erste Schätzung und als solche mit Unsicherheiten und einem möglichen Revisionsbedarf verbunden.

Ende Mai 2021 werden von Statistik Austria die Quartalsdaten für das BIP und Hauptaggregate für das I. Quartal 2021 auf Basis vollständigerer Daten veröffentlicht.

Die einschränkenden Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie haben weiterhin ihre Geschäftstätigkeit belastet. Auf der Nachfrageseite waren die Konsumausgaben der privaten Haushalte weiterhin rückläufig, bei den Investitionen gab es positive Tendenzen.

Nach dem Rückgang im IV. Quartal 2020 stabilisierte sich die heimische Wirtschaft. Gemäß ersten Berechnungen stieg das BIP im I. Quartal 2021 um 0,2% gegenüber der Vorperiode (Kennzahl laut Eurostat-Vorgabe). Im Jahresvergleich bedeutet dies einen Rückgang um 2,7% gegenüber dem I. Quartal 2020, wo bereits erste negative wirtschaftliche Effekte der COVID-19-Pandemie verzeichnet wurden.

Positive Impulse kamen im I. Quartal 2021 von der fortschreitenden Erholung der Industrie- und Baukonjunktur. Die Wertschöpfung in der Industrie (NACE B bis E) stieg im I. Quartal um 2,6% (IV. Quartal 2020 +0,6%), in der Bauwirtschaft um 3,6% (IV. Quartal 2020 ‑2,4%). Im Gegensatz dazu ging die Wirtschaftsleistung in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen in Folge der getroffenen Maßnahmen des dritten Lockdown erneut zurück, wenngleich nicht mehr so massiv wie im IV. Quartal 2020. Die Wertschöpfung im Bereich Handel, Beherbergung, Gastronomie und Verkehr sank um 3,1%; bei den sonstigen Dienstleistungen, welche persönliche Dienstleistungen (wie Friseure), Kunst, Unterhaltung und Erholung beinhalten, betrug der Rückgang der Wertschöpfung ‑4,6% (jeweils gegenüber dem Vorquartal). Einige Unternehmen dieser Bereiche waren im I. Quartal 2021 zur Gänze geschlossen. Gestützt wurde die Wertschöpfungsentwicklung weiterhin von weniger physischen kontaktintensiven Dienstleistungen (wie etwa im IT‑, Banken‑, Versicherungs- oder Immobiliensektor) sowie der Öffentlichen Verwaltung.

Die Angebotsbeschränkungen durch den dritten Lockdown (bis 8. Februar 2021) im Handels- und Dienstleistungsbereich zogen erneut einen Nachfragerückgang im privaten Konsum mit sich, wenngleich dieser deutlich moderater als im IV. Quartal 2020 ausfiel. Im I. Quartal 2021 sank die Konsumnachfrage der privaten Haushalte (einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck) nach ersten Berechnungen um 0,2% gegenüber der Vorperiode (IV. Quartal 2020 ‑5,2%).

Die außenwirtschaftliche Dynamik ist einerseits von der Stabilisierung der Industriekonjunktur und andererseits von den Ausfällen im internationalen Reiseverkehr geprägt. Insgesamt sanken die Exporte um 1,0%, die Importe um 1,5% gegenüber dem Vorquartal. Die Investitionsnachfrage entwickelte sich ebenfalls stabil, die Bruttoanlageinvestitionen stiegen im Vorquartalsvergleich um +1,7%.
 

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Mag. Sandra Bilek-Steindl

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik

Dr. Jürgen Bierbaumer

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© Francisco Fernandes/Unsplash
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