Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.

Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.

Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) 14-tägig aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.

 

Aktueller Index

Veröffentlichung vom 23. 1. 2023

Das Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorjahr auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) wird für Dezember 2022 (Kalenderwochen 48 bis 52, 28. November 2022 bis 1. Jänner 2023) auf +4% geschätzt (November +1¾%; revidiert).

WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten

Im November und Anfang Dezember 2022 zeigen sich aufgrund von Basiseffekten durch den stufenweise verschärften vierten Lockdown in der Gastronomie, Hotellerie und im Unterhaltungs- und Veranstaltungswesen sowie im Einzelhandel im Vergleichszeitraum des Vorjahres (Kalenderwochen 45 bis 49 2021) für die entsprechenden Kalenderwochen im Jahr 2022 wöchentlich zunehmende Wachstumsraten. Der BIP-Zuwachs gegenüber dem Vorjahr beschleunigte sich von ½% (Kalenderwoche 45) auf 6½% in den ersten beiden Dezemberwochen (Kalenderwochen 48 und 49)1). In der 2. Dezemberhälfte (Kalenderwochen 50 bis 52) waren diese Basiseffekte nicht mehr wirksam; die wöchentlichen Vorjahresveränderungen verringerten sich von +3¾% auf +1¼%. Für das IV. Quartal und das Jahr 2022 ergibt diese erste Schätzung auf Basis des WWWI einen BIP-Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um 2½% bzw. 4¾%.

Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte zeigt aufgrund der Basiseffekte Anfang Dezember 2022 sowohl für die Nachfrage nach Gütern (Einzelhandelsumsätze) als auch nach Dienstleistungen einen weiteren deutlichen und zunehmenden Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die wöchentliche Veränderung der realen privaten Konsumausgaben gegenüber dem Vorjahr erreichte in den Kalenderwochen 48 und 49 (1. Dezemberhälfte) +8¼% bzw. +7%. In der 2. Dezemberhälfte (Kalenderwochen 50 bis 52) lag der private Konsum durch das Auslaufen der Basiseffekte um nur mehr durchschnittlich ½% über dem Vorjahresniveau. Im Monatsdurchschnitt Dezember ergibt sich damit ein geschätztes Wachstum von 3½% gegenüber dem Vorjahr (November –2½%, Oktober –6½%).

Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen wird von der Stimmung im produzierenden Bereich (gemäß WIFO-Konjunkturtest) bestimmt. Im Dezember wird die Zunahme gegenüber dem Vorjahr auf +¾% geschätzt (November +2¼%, Oktober +1¼%).

Die exportgewichtete Wachstumsdynamik der OECD-Handelspartner stabilisierte sich im Dezember. Die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen und das Güteraufkommen auf der Schiene gingen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zurück. Demgegenüber nahm die Zahl der abgefertigten Passagierflüge zu. Zusammen mit der Dynamik im inländischen produzierenden Bereich und einer – im Vergleich zu den Importen – günstigeren Entwicklung der Exporte ergibt sich für den Dezember ein geschätzter Wachstumsbeitrag der Nettoexporte i. w. S. zum BIP im Ausmaß von +3½ Prozentpunkten (November +1½ Prozentpunkte).

Aus der Entwicklung im Gütertransportwesen ergibt sich für den Bereich Verkehr (ÖNACE H) im Dezember ein geschätzter Rückgang der Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr von 2¼% (November –1¾%).

Die Zahl arbeitssuchender Personen liegt im produzierenden Bereich (ÖNACE A bis E) nach wie vor auf einem äußerst niedrigen Niveau. Die Einschätzungen der Sachgütererzeuger im WIFO-Konjunkturtest deuten auf eine Stabilisierung der Produktion hin. Für Dezember erwartet das WIFO einen leichten Anstieg der Wertschöpfung im produzierenden Bereich von 1¼% gegenüber dem Vorjahr (November +3¼%, Oktober + 4¼%). Die Aussichten der Bauunternehmen trübten sich gemäß WIFO-Konjunkturtest weiter ein. Für Dezember wird für die Bauwirtschaft (ÖNACE F) mit einem Rückgang der Wertschöpfung um 1% gegenüber dem Vorjahr gerechnet (November –¾%).

Die Volumina der inflationsbereinigten bargeldlosen Transaktionen in der Gastronomie und Hotellerie zeigen im Dezember weiterhin markante Zuwächse gegenüber dem Vorjahr. Hier wirken in der 1. Dezemberhälfte noch die Lockdown-Basiseffekte. Die Wertschöpfung im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE I) wird in der 1. Dezemberhälfte um 85% und in der 2. Dezemberhälfte um 22¼% höher geschätzt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt liegt sie damit im Dezember um 47¼% über dem Vorjahresniveau (November +10½%, Oktober –7%). In den Wochen nach Weihnachten bzw. Neujahr (Kalenderwochen 52/2022 und 1/2023), den beiden üblicherweise umsatzstärksten Wochen in der Wintertourismussaison, zeigen die inflationsbereinigten bargeldlosen Umsätze eines Zahlungssystembetreibers in den Bereichen Gastronomie und Hotellerie einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 53% bzw. 31%. Hier spiegelt sich die schwache Entwicklung 2021 wider, die noch von den Nachwirkungen des Lockdown unmittelbar vor Beginn der Winterhauptsaison geprägt war. Auf der Basis dieser Schätzung dürfte die Zahl der Gästenächtigungen am Beginn der heurigen Winterhauptsaison – vor allem jene der ausländischen Gäste – deutlich über dem Vorjahresniveau liegen, in der Woche nach Weihnachten das Niveau des Jahres 2019 aber noch nicht erreichen. Die Zahl der inländischen Gäste dürfte das Vorkrisenniveau bereits erreicht haben.

Im Handel (ÖNACE G) betrug der Zuwachs der Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr in den ersten beiden Dezemberwochen aufgrund der Lockdown-Basiseffekte 15%, in der 2. Dezemberhälfte zeigt sich ein Rückgang um 1¼%. Im Monatsdurchschnitt ergibt sich für Dezember ein Zuwachs von 5¼% (Oktober und November –3½%).

Die geringe Arbeitslosigkeit und die BIP-Entwicklung lassen für die Wertschöpfung der übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N) im Dezember einen leichten Zuwachs von 2% gegenüber dem Vorjahr erwarten (November +2½%, Oktober +2¾%). Für die sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE R bis T) wird auf Grundlage der preisbereinigten bargeldlosen Zahlungen im Bereich des Veranstaltungswesens mit einem Wertschöpfungszuwachs von 12½% gegenüber dem Vorjahr gerechnet (November +5½%). Auch hier sind in der 1. Dezemberhälfte merkbare Lockdown-Basiseffekte zu beobachten (+15½%; 2. Dezemberhälfte +10½%).



1)  Die Berücksichtigung neu veröffentlichter Monatsdaten, die bei der Schätzung des WWWI erfüllt werden müssen, führte zu einer Revision des WWWI und seiner Teilkomponenten. Entstehungsseitig betreffen die Revisionen insbesondere den produzierenden Bereich (ÖNACE A bis E) und die übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N; Aufwärtsrevision), sowie die Beherbergung und Gastronomie (ÖNACE I) und den Handel (ÖNACE G; Abwärtsrevision).

 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 

 

Ansprechpersonen