Prognose für 2021 und 2022

26.03.2021

Verzögerte Erholung bei erneutem Lockdown

Um die Bandbreite der künftigen Wirtschaftsentwicklung einzugrenzen, entwirft die vorliegende Prognose zwei Szenarien. Im Öffnungsszenario kommt die Wirtschaft bereits im Frühjahr wieder in Schwung, das BIP dürfte 2021 um 2,3% und 2022 um 4,3% wachsen. Im Lockdownszenario verzögert sich die Erholung, der Zuwachs beträgt 2021 1,5% und 2022 4,7%.

Eine Aufzeichnung der Pressekonferenz steht Ihnen hier zur Verfügung. Pressefotos entnehmen Sie bitte hier (© WIFO/Johannes Brunnbauer).

"Der weitere Konjunkturverlauf hängt maßgeblich von den behördlichen COVID-19-Maßnah­men ab. Ein neuerlicher Lockdown im April würde das Wachstum 2021 um knapp einen Prozentpunkt dämpfen. 2022 wäre die Erholung dafür stärker", so der Autor der aktuellen WIFO-Prognose Stefan Ederer.

Die wirtschaftliche Aktivität hängt gegenwärtig stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ab. Im Öffnungsszenario werden die Einschränkungen im Lauf des Frühjahrs vollständig aufgehoben. Das Lockdownszenario geht dagegen von einer neuerlichen Schließung des Handels und der personennahen Dienstleistungen im April 2021 aus. Im ersten Szenario kommt die Wirtschaft bereits im Frühjahr wieder in Schwung, das BIP dürfte 2021 um 2,3% und 2022 um 4,3% wachsen. Im Lockdownszenario verzögert sich die Erholung, der Zuwachs beträgt 2021 1,5% und 2022 4,7%. Privater Konsum und Reiseverkehr sind auch 2022 noch schwächer als vor der COVID-19-Pandemie. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Krise noch längere Zeit sichtbar bleiben.

Die Wirtschaftsaktivität in Österreich ist derzeit stark von den behördlichen Einschränkungen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie geprägt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (März 2021) werden sowohl Öffnungs- als auch Schließungsmaßnahmen diskutiert. Die vorliegende Prognose trägt der Unsicherheit über die weiteren Rahmenbedingungen durch zwei unterschiedliche Szenarien Rechnung. Das erste Szenario ("Öffnungsszenario") geht davon aus, dass es zu keinen neuerlichen Verschärfungen oder Lockdownmaßnahmen kommt und die derzeit geltenden Regelungen im Frühjahr 2021 schrittweise aufgehoben werden. Das zweite Szenario ("Lockdownszenario") unterstellt dagegen eine neuerliche vierwöchige Schließung des Handels und der personennahen Dienstleistungen im April. Die Öffnung in den Bereichen Gastronomie, Beherbergung und Veranstaltungen verzögert sich in diesem Fall. Die Berechnung der wirtschaftlichen Effekte der in den beiden Szenarien unterstellten Maßnahmen stützt sich auf die wöchentlichen WIFO-Schätzungen zur Wirtschaftsaktivität (WWWI) und auf Erkenntnisse aus den bisherigen Schließungs- und Öffnungsphasen.

Die österreichischen Warenexporte und die Sachgütererzeugung waren von den Lockdown-Maßnahmen im Herbst und Winter kaum betroffen und erholten sich bis Jahresende 2020 merklich. Beide Bereiche profitierten maßgeblich von der Erholung der weltweiten Industrieproduktion und des globalen Warenhandels. Diese Entwicklung dürfte sich 2021 fortsetzen, auch wenn sie gegenwärtig von Asien und den USA getrieben wird, und sich in den für den österreichischen Export wichtigen Ländern der Europäischen Union verzögert. 2022 wird sich dieses Muster voraussichtlich umkehren: Während die europäischen Absatzmärkte kräftig wachsen dürften, wird sich die Erholung außerhalb Europas voraussichtlich abschwächen. Auch die Bauwirt­schaft litt kaum unter den behördlichen Einschränkungen und dürfte im Prognosezeitraum stetig wachsen.

Hingegen dämpften die Schließungsmaßnahmen im November und Dezember 2020 sowie im I. Quartal 2021 sowohl die Konsumausgaben der privaten Haushalte als auch den Reiseverkehr deutlich, wodurch die Wirtschaftsaktivität in den Bereichen Handel, Gastronomie, Beherbergung und sonstige Dienstleistungen einbrach. Im Fall einer Aufhebung der Einschränkungen im Frühjahr ("Öffnungsszenario") dürfte daher das wirtschaftliche Aktivitätsniveau in diesen Bereichen merklich zunehmen. Im Fall neuerlicher Schließungen ("Lockdownszenario") wird die wirtschaftliche Aktivität im Frühjahr hingegen schwach bleiben und die Erholung erst später einsetzen. Im zweiten Szenario werden der private Konsum, der Reiseverkehr und die Wertschöpfung der betroffenen Wirtschaftsbereiche 2021 daher deutlich schwächer wachsen als im Fall von Lockerungen. Die COVID-19-Krise dürfte jedenfalls länger nachwirken: Privater Konsum und Reiseverkehr werden 2022 in beiden Szenarien geringer sein als vor der Krise.

Nach dem kräftigen Einbruch der Wirtschaftsleistung im Winter rechnen beide Szenarien für 2021 mit einem mäßigen Wachstum, gefolgt von einer kräftigen Erholung im Jahr 2022. Ein neuerlicher Lockdown würde die Wirtschaftsaktivität und damit das BIP-Wachstum 2021 deutlich dämpfen, durch die verzögerte Erholung wäre das Wachstum 2022 allerdings entsprechend kräftiger. Im Öffnungsszenario dürfte die österreichische Wirtschaft 2021 um 2,3% und 2022 um 4,3% wachsen. Im Lockdownszenario beträgt der Zuwachs 2021 1,5% und 2022 4,7%.

Auf dem Arbeitsmarkt werden die Folgen der COVID-19-Krise noch länger sichtbar sein. Die Beschäftigung dürfte zwar im Prognosezeitraum deutlich steigen, dies geht jedoch nur teilweise auf die Einstellung Arbeitsloser zurück. Im Öffnungsszenario sinkt die Arbeitslosenquote 2021 auf 9,2% und 2022 auf 8,4%, im Lockdownszenario auf 9,3% bzw. 8,5%. 2022 ist sie damit in beiden Szenarien rund einen Prozentpunkt höher als im Vorkrisenjahr 2019.

Aufgrund eines Anstiegs der Rohstoffpreise nehmen die Verbraucherpreise 2021 und 2022 um jeweils 1,8% zu. Der Inflationsdruck bleibt jedoch aufgrund einer schwachen Lohnentwicklung verhalten.

Die fiskalpolitischen Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und Privatpersonen setzen die öffentlichen Haushalte unter Druck. Durch die Erholung der Konjunktur verringert sich der Finanzierungssaldo laut Öffnungsszenario von –8,9% (2020) auf –7,1% (2021) bzw. –3,7% (2022) des BIP, laut Lockdownszenario auf –7,7% bzw. –4%.
   

Publikationen

WIFO-Konjunkturprognosen, März 2021, 35 Seiten
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 26.03.2021 10:30
 
Die wirtschaftliche Aktivität hängt gegenwärtig stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ab. Um die Bandbreite der künftigen Wirtschaftsentwicklung einzugrenzen, entwirft die vorliegende Prognose zwei Szenarien: Im Öffnungsszenario werden die Einschränkungen im Lauf des Frühjahrs vollständig aufgehoben. Das Lockdownszenario geht dagegen von einer neuerlichen Schließung des Handels und der personennahen Dienstleistungen im April 2021 aus. Im ersten Szenario kommt die Wirtschaft bereits im Frühjahr wieder in Schwung, das BIP dürfte 2021 um 2,3% und 2022 um 4,3% wachsen. Im Lockdownszenario verzögert sich die Erholung, der Zuwachs beträgt 2021 1,5% und 2022 4,7%. Privater Konsum und Reiseverkehr sind auch 2022 noch schwächer als vor der COVID-19-Pandemie. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Krise noch längere Zeit sichtbar bleiben.
Rückfragen an

Dr. Stefan Ederer

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Johannes Brunnbauer
© Johannes Brunnbauer